Hier dokumentieren wir Versuchsanordnungen, Laborprotokolle, Laborpapiere, Vorgehensweisen, Effekte, Nebeneffekte und Testergebnisse entomonischer Forschungsarbeit gegen das Verschwinden, laden zur Mitarbeit ein und bieten Anregungen für das Entwickeln eigener Forschungsideen und -designs im Bereich der „Kulturen des Entomonischen“.
Von Fabian Schwitter,
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Fabian Schwitter, 1984 in der Schweiz geboren, lebt mittlerweile als freier Autor in Leipzig. Unter anderem forscht er vor dem Hintergrund von John Conways «Game of Life» nach den Entwicklungs- und Fortpflanzungsgesetzen der fünfzeiler-Schwärme. In diesem Fall entfalten Schwitters fünfzeiler ihr gestalterisches Spiel vor dem Hintergrund einer Passage aus Dougal Dixons «After Man: A Zoology of the Future» (1981). In der Edition Howeg ist zuletzt «die verkettung der / fünfzeiler» (Zürich, 2023) erschienen. www.fabian-schwitter.com
Labordokument Nr. 8:
Vom Verschwinden (Stempelherstellung)
Labordokument Nr. 7:
(Kategorie: Forschungsgedicht)
seziertes Insekt
da schimmert nun deine Idee
im Lichteinfall fort
Sonja Crone
(Lyrikerin-Bildende Künstlerin)
Labordokument Nr. 6:
Das Ereignis (Beiträge zur Erkenntnistheorie des doppelten entomologischen Entdeckungszusammenhangs)
„1000 Stück Libellen mehr“
Wir bitten um Lieferung
Wir bitten um Lieferung
von je 1000 Stück Libellen mehr als angegeben
wir haben keine Verwendung dafür
und wir wollen auch keine Verwendung dafür haben
aber wir bitten dringend um Lieferung
wir bitten dringend um Lieferung
um die Welt zu retten
um die Welt vor uns Menschen zu retten
und vor dem ganzen Glyphosat in Euren und unseren Atemwegen
bitten wir dringend um Lieferung
bitten wir dringend um Lieferung
von je 1000 Stück Libellen mehr als angegeben
die wir nicht verwenden, sondern freilassen wollen
auf den Blühstreifen am Feldrand der instrumentellen Vernunft oder am Seeufer
alle
denn auch wir möchten ein Leben führen
in dem wir gänzlich freigelassen und nicht verwendet werden
und auch wir brauchen Blühstreifen am Feldrand
und ein stilles Seeufer, an dem wir lesen oder schreiben können
wie wir wollen
und kein Glyphosat jedenfalls in unseren Tracheen
weil wir alle sind Franz Kafka
sagen wir zu den Libellen
tausendmal sagen wir es
Kurt Mondaugen
17.1.2025
26.1.2025
Unter den Kirschen sitzen
und unter den grünen Eidechsen in der Sonne auf den Steinen vor der Laube
und unter den Rehen hinter der Laube
und unter Maulwürfen und Igeln der Vollständigkeit halber auch
und unter dem Flattern der Kupferglucken bei Nacht
den Träumen der Entomologen
und der Insekten
wir haben diesen Kleingarten bestellt
für unsere LoveLoveLove-Story
im Outback der Stadt
lag alles bereit
sagten wir
was unsere Seelen brauchten für den Moment
jenseits der Gentrifizierung
und jenseits des Krieges
in den Nischen unserer Existenz
im Kleingartenverein „Kap der guten Hoffnung“
war die Zeit verreist
unter den Nachtschattengewächsen
ein Gefühl von Vollständigkeit
als sie sich über uns beugten
Ginster und Holunder
im Wind, Wind, Wind
eine Bleibe im Wind dachten wir
würde dieser Garten werden in diesem Sommer
und wir probten das Zusammenleben mit Wespe und Hummel
und Heuschrecke und Kellerassel
und mit den ost-deutschnationalen Nachbarn sogar
die wir noch kannten aus unserer Kindheit und
auf die wir einredeten mit Engelszungen
bei einem Aldi-Versöhnungs-Bier übern Gartenzaun
und die wir am Ende doch nicht davon abhielten
Unkraut-Ex zu spritzen
und AFD zu wählen
der Klassiker halt
aber was bleibt ist die Hoffnung
die vielleicht mit den Maikäfern kommt
oder den Glühwürmchen Ende Juni.
Kurt Mondaugen
Fotocredits: Kurt Mondaugen
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