Verschwindende Wildnisse

„Die Bewahrung der Wildnis impliziert eine politische und ethische Verpflichtung, mit dem Anderssein zu leben, anstatt das Andere zu vereinnahmen oder zu domestizieren. (…) Die Wildnis braucht uns nicht. Sie braucht uns allenfalls, um verschwinden zu können. Wir brauchen die Wildnis, den Sturm auf dem Meer, die Gänse, die schreiend und fliegend ihren Weg ziehen, das sanfte Geräusch des Frühlingsregens auf den frischen Blättern, unser Körper braucht sie, der lebt und liebt. Wir brauchen das Wilde, das Andere, um unseren Alltag zu bereichern und zu intensivieren, um zu erfahren, dass es immer mehr gibt als das Hier und Jetzt und dass dieses Mehr immer schon da ist.“

(Irene J. Klaver: »Wild. Rhythm of the Appearing and Disappearing«, in: Michael P. Nelson/J. Baird Callicott (eds.), The Wilderness Debatte Rages on, Athens/London 2008, S. 485–499 (zitiert nach und übersetzt von Andreas Hetzel: „Vielfalt achten. Eine Ethik der Biodiversität", Transcript-Verlag, Bielefeld 2024, S. 343f.)

Abwesen. Dead Species Walking

Weltweit sterben Tiere aus bzw. geht die Populationsgröße dramatisch zurück. Clara S. Rueprich und Udo Grashoff erkunden den gigantischen, weithin unsichtbaren Prozess des Massenaussterbens nicht im tropischen Regenwald, sondern hier in Mitteleuropa. Sie haben zu Arten recherchiert, die am Rande des Aussterbens stehen. Zu Filmaufnahmen in den „leeren“ Biotopen, wo die Tiere gelebt haben, die jetzt „Abwesen“ sind, hört man lyrische Texte, Collagen aus wissenschaftlichen Studien, Lexika und literarischen Texten. In den Kurzporträts werden wundersame, berührende Eigenheiten der vom Aussterben bedrohten Tiere geschildert. Sie führen die Vielfalt und den Reichtum einer vom Untergang bedrohten Welt vor Augen.

www.abwesen.net

Das Projekt gibt es auch als Buch: 

https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783945377888/Rueprich-Clara-S./ABWESEN

Drei abwesende Insekten: 
Großer Kolbenwasserkäfer Kiesbankgrashüpfer       
Grüne Mosaikjungfer

In ihrem künstlerischen Projekt "Abwesen - Dead Species Walking" dokumentieren Clara S. Rueprich und Udo Grashoff in drei Videos auch das Verschwinden von einheimischen Insektenarten: des Großen Kolbenwasserkäfers, des Kiesbankgrashüpfers und der Grünen Mosaikjungfer. Die drei Videos sind hinter den drei untenstehenden Bildern verlinkt.

Rapide Schmetterlingsrückgänge in den Vereinigten Staaten

Anfang März 2025 veröffentlichte das amerikanische Wissenschaftsmagazine Science die Ergebnisse der bisher umfassendsten Studie zum Bestand der Schmetterlinge in den USA. Allein zwischen den Jahren 2000 und 2020 sind hier die Schmetterlingspopulationen um 22 Prozent zurückgegangen. Als wichtige Ursachen für den Rückgang ist der Verlust artenspezifischen Lebensräumen und der starke Pestizideinsatz in der Landwirtschaft ausgemacht.

https://www.science.org/doi/10.1126/science.adp4671

Fotocredit:SevenStorm JUHASZIMRUS, https://www.pexels.com/de-de/foto/monarchfalter-thront-auf-blatt-425244/

 

Pestizideinsatz in der Landwirtschaft

Fotocredit: Von Spraying on Coveney Byall Fen by Richard Humphrey, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=124338734

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