WildesWissen

Hier wird "wildes Wissen" zum Thema Insekten, Insektenrettung & Welt- und Selbstrettung produziert und dokumentiert. Ein Ort des Austausches zwischen unterschiedlichen Wissensformen. - Michel Foucault und Paul Feyerabend sei Dank!

 

Collage: Dorit Löffler

"Nur der Tag bricht an, für den wir wach sind."

Henry David Thoreau: "Walden"

 

Bild: Kurt Mondaugen

Innenohr

 

                            …wenn es im Sein beharren will (J. W Goethe)

 

so viele häutungen bis das schillern

beginnt der glanz des chitin das

knistern der flügel membran

ich sah die libellen im tandemflug bald

sinkt im flügelgeäder das blut kommt

der kurze aufstieg ins leichte zu fall

während im wasser die außenskelette

und innenleben wachsen fangmasken

werfend kälte ist immer das ende oder

ein fressfeind was wir brauchen ist

außen wärme und eine konstanz im

innenohr

 

                                    Monika Littau

 

Fotocredits: Egor Kamelev: https://www.pexels.com/de-de/foto/tilt-shift-lens-fotografie-von-braunen-und-schwarzen-insekten-762949/

 

Rosenkäfer

Goldglänzender, dessen Imago sich

ein süßes Verdämmern im Inneren

der Rosenblüte gönnt, in der nämlichen

Pflanze jedes Jahr von neuem einer.

Also in einen Abgrund gelegtes Bild.

Auf dass es sich wiederhole, durch die

prachtvoll fetten Engerlinge und ihren

himmelnden Blick. Über Jahre hinweg der Körper.

 

Chromglänzender Lockenkopf, bändigungslos

im buntblühenden Bündel um den Panzer.

Blüten in den Lauf der Maschine, verholzte Schuhe.

Flauschige, flashige, also üppigste Blumenpracht

            wirr durcheinander, einzeln, dann zugleich,

            wild holdes Blumengedränge

            wie soeben aus dem Schlafe aufgeschreckt.

Wiese, die ihre Schnitterin kennt, wie Wölkchen.

 

Grünglänzender Käfer, also

goldglänzender Schläfer in einer fälteligen Strauchrose,

einer rosanen, duftenden, in der man den Cetonia

jährlich entdeckt, wenn die Nase sich hineintauchen will.

Voll mit Pollen und wohl wenig bekümmert um uns,

rings im Rosenbett so wenig Lüstling, so wenig

Überlebender des Heliogabal wie die Ameise

keine Gärtnerin, die voll Sorgfalt einen Borretsch

vermehrt, unseren Borretsch, wie ich es nie könnte.

 

Blüten in den Lauf der Maschine, verholzte Schuhe.

Wiese, die ihre Schnitterin kennt, ihre Zaunlatten.

 

                                                            Tobias Roth   

 

Tobias Roth ist Lyriker und gibt im Sukultur Verlag Berlin/Hamburg die Grüne Reihe heraus, die sich mit Themen des Gartens im weiten Sinn beschäftigt, also dem Ineinander von menschlichem und nichtmenschlichem Leben.

Fotocredits: linkes Bild: Dorit Löffler, rechtes Bild: Tobias Roth

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